Für eine Gesellschaft, die das Leben schützt und Familien stärkt

Der Apostolische Administrator des Erzbistums Vaduz, Bischof Benno Elbs, bringt sich mit grundsätzlichen Überlegungen in die aktuelle Debatte um eine mögliche Einführung der Fristenlösung in Liechtenstein ein. Er tritt für einen umfassenden Schutz der Würde des menschlichen Lebens ein. Sein Anliegen ist es zudem, werdende Mütter und Väter dabei zu unterstützen, Ja zu ihrem Kind zu sagen. Zudem befürwortet er ausdrücklich die Bemühungen um eine sachliche und respektvolle Auseinandersetzung.

Schutz des Lebens und konkrete Unterstützung

Bischof Elbs betont, dass die Katholische Kirche sich in besonderer Weise dem Schutz der Würde des menschlichen Lebens in allen seinen Phasen verpflichtet sieht. „Die Sorge der Kirche gilt insbesondere allen Menschen in verletzlichen Lebenssituationen: ungeborenen Kindern und ihren Eltern, Menschen mit Beeinträchtigungen, Geflüchteten sowie alten und kranken Menschen. Sie alle sind in besonderer Weise auf Zuwendung, Begleitung und konkrete Unterstützung angewiesen.“ Zudem verweist er darauf, dass für die Katholische Kirche das menschliche Leben mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle beginnt und mit dem natürlichen Tod endet. Jedes ungeborene Kind besitzt von Anfang an eine eigene, unverfügbare Würde und verdient daher denselben Schutz, der jedem menschlichen Leben zukommt.

Den Schutz des menschlichen Lebens hat auch Papst Johannes Paul II. bei seinem Besuch im Fürstentum Liechtenstein 1985 ausdrücklich angesprochen. Er bezeichnete das Lebensrecht des ungeborenen Menschen als ein unveräusserliches Menschenrecht und rief dazu auf, „den Wert und die Würde des menschlichen Lebens in allen seinen Phasen wirksam zu schützen und zu verteidigen“. An diese Verantwortung gilt es auch heute zu erinnern.

Für Bischof Elbs gehört der Schutz des Lebens und die Unterstützung von Frauen und Familien zusammen. „Ich weiss aus meiner Erfahrung als Seelsorger und Psychotherapeut um die oft schwierigen Situationen, in denen sich Frauen und junge Familien befinden können. Lebensschutz darf daher nicht ohne umfassende Unterstützung gedacht werden: durch einfühlsame Beratung, tragfähige soziale Netzwerke sowie finanzielle und praktische Hilfe.“ Es geht der Kirche nicht darum, über Entscheidungen betroffener Frauen und Paare zu urteilen. Vielmehr ist es wichtig, die Begleitung und Unterstützung in Konfliktsituationen zu fördern. Unser Ziel muss eine Gesellschaft sein, in der Frauen und Paare nicht allein gelassen werden und ein Ja zum Leben möglich wird“, betont Bischof Elbs.

Entscheidend dabei ist ein gesellschaftliches Umfeld, das werdende Eltern unterstützt und ihnen die notwendige Hilfe bietet. In diesem Zusammenhang dankt Bischof Benno Elbs der fürstlichen Familie für ihren langjährigen Einsatz für den Schutz des Lebens. Besonders würdigt er die Arbeit der Sophie von Liechtenstein Stiftung, die seit vielen Jahren Schwangere, junge Eltern und Familien in herausfordernden Situationen in Liechtenstein, Österreich und der Schweiz begleitet und unterstützt.

Für eine Kultur des Lebens und des Respekts

Mit Blick auf die aktuelle Diskussion verweist Bischof Elbs auch darauf, dass das Fürstentum Liechtenstein seit einigen Jahren über keine eigene Geburtenstation verfügt. Auch deshalb braucht es aus seiner Sicht eine besondere Aufmerksamkeit für die Anliegen werdender Eltern. „Es macht nachdenklich, dass einerseits Frauen für die Geburt ihres Kindes eine stationäre Geburtshilfe im nahgelegenen Ausland in Anspruch nehmen, wir andererseits aber gerade darüber diskutieren, dass die Voraussetzungen für eine Beendigung von Schwangerschaften im Inland geschaffen werden sollen. Hier scheint mir etwas aus dem Gleichgewicht geraten zu sein.“

Der Blick in andere Länder zeigt, dass die Diskussionen um das Thema Abtreibung zum Teil mit grosser Härte geführt wird. Bischof Elbs dazu: „Als Vertreter der Katholischen Kirche ist meine Haltung in dieser Frage klar und ich setze mich nach Kräften für den Schutz des Lebens ein. Bei allen unterschiedlichen Ansichten ist es aber wichtig, dass wir diese Debatte mit dem Bemühen um ein gutes Miteinander führen. Wir müssen einander aufmerksam zuhören und unterschiedlichen Überzeugungen mit Respekt begegnen. So kann ein Dialog entstehen, der von gegenseitiger Achtung getragen ist und die gemeinsame Suche nach verantwortungsvollem Handeln fördert. Ich bin dankbar, dass dies auch vom Initiativkomitee hervorgehoben wird.“

Der Apostolische Administrator zeigt sich überzeugt, dass das Fürstentum Liechtenstein die Herausforderungen im Schutz des menschlichen Lebens bislang verantwortungsvoll gemeistert habe. Die bestehenden gesellschaftlichen und staatlichen Rahmenbedingungen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten bewährt. Bischof Elbs: „Mein Wunsch ist, dass wir gemeinsam im Fürstentum Liechtenstein an einer Gesellschaft mitbauen, in der jedes Kind willkommen ist und jede Mutter und jeder Vater die Unterstützung erhalten, die sie brauchen, um sich für ihr Kind entscheiden zu können. Eine Gesellschaft, die das Leben schützt, muss immer auch eine Gesellschaft sein, die Menschen in schwierigen Situationen nicht allein lässt.“

Vaduz, am 21. August 2026