Brief des Erzbischofs von Vaduz zu den besonderen Umständen bezüglich des Coronavirus

An die Geistlichkeit
und die Christgläubigen
des Erzbistums Vaduz

Hochwürdige, liebe Geistlichkeit!
Liebe Mitchristen!

Wie unseren Pfarrämtern inzwischen schon bekanntgegeben wurde, findet die Chrisammesse vom 9. April 2020 aufgrund der Massnahmen betreffend die Eindämmung der Coronavirus-Epidemie, wie sie staatlicherseits angeordnet wurden, in der vorgesehenen Form nicht statt und wird nur in kleinstem Kreise und unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehalten werden. Ich bedaure sehr, Ihnen das mitteilen zu müssen; aber es bleibt mir keine andere Wahl.

Die Gelegenheit dieser Absage möchte ich wahrnehmen, um Sie zur jüngsten Entwicklung im gottesdienstlichen Leben unserer Pfarreien kurz zu informieren. Nach Bekanntwerden der restriktiven Massnahmen, die seitens der liechtensteinischen Regierung zur Verhinderung der weiteren Ausbreitung des Corona-Virus verfügt wurden, erfolgte unsererseits entsprechend dem aktuellen Stand der betreffenden Anweisungen eine e-mail-Aussendung an die Pfarrgeistlichkeit in Liechtenstein zur Umsetzung der zivilen Verordnungen, wobei diese mittlerweile schon geschah oder derzeit geschieht. Eine völlig einheitliche Regelung in konkreten Details war oder ist insofern nicht leicht zu erreichen, weil jede Pfarrei ihre Eigenheiten aufweist (z. B. Möglichkeit der Übertragung von Gottesdiensten im Gemeindekanal, Zahl der Kirchen und Kapellen, Läuteordnung der Kirchenglocken, Sensibilitäten seitens der Kirchgänger, ortsübliche kirchliche Gebräuche). So ist es nachvollziehbar, dass in den jeweiligen Pfarreien unter Beachtung der staatlichen Vorgaben diese oder jene Varianten vorkommen, welche von den zuständigen Pfarrern zu verantworten und den Gläubigen auf geeignete Weise zu erklären sind.

Prinzipiell ist festzuhalten, dass in solchen Not- bzw. Sondersituationen nach den Grundsätzen unserer Kirche die katholischen Christen nicht verpflichtet sind zur Erfüllung der Sonntagspflicht, d.h. zum Besuch der sonn- und feiertäglichen Messfeier: “Zu Unmöglichem ist niemand verpflichtet”. Sie sollen aber das Gebot zur Sonn- und Feiertagsheiligung dennoch einhalten, indem sie zu Hause das persönliche und gemeinschaftliche Gebet pflegen, namentlich auch im Anliegen der entstandenen Notlage, sowie der nötigen Ruhe und Erholung Raum geben, was nicht zuletzt auch ermöglicht, anderen in mitmenschlicher Solidarität beizustehen. All jenen, die sich sowohl um das gesundheitliche als auch um das geistliche Wohl aller bemühen, namentlich derer, die erkrankt sind oder den kranken Menschen dienen, gebührt mein herzlicher Dank. Alle sind in meine persönlichen Gebete eingeschlossen, ganz besonders auch bei der Feier des heiligen Messopfers.

In herzlicher Gebetsverbundenheit grüsse ich Sie mit meinem erzbischöflichen Segen.


✠ Wolfgang Haas
Erzbischof von Vaduz

 

9488 Schellenberg, 16. März 2020
EB Prot. Nr. 25/2020